Spitalversorgungsgesetz Kanton Bern: Standardisierung statt Zentralisierung

Die IG eHealth hat die Mitglieder des Grossen Rats des Kantons Bern am 3. Juni 2026 zu einem Informationsanlass eingeladen. Die IG eHealth setzte an ihrer Veranstaltung zur Revision des bernischen Spitalversorgungsgesetzes ein klares Zeichen für eine offene, standardbasierte Digitalisierung des Gesundheitswesens. In ihren Referaten machten die Präsidentin Anna Winter, das Vorstandsmitglied Thomas Bähler und Dr. med. Marc Oertle deutlich, dass Interoperabilität, Datenschutz und faire Wettbewerbsbedingungen für eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur von zentraler Bedeutung sind.

Anna Winter, Präsidentin der IG eHealth und Partnerin Gesundheitswesen der Indema, zeigte auf, dass die geplante Gesundheitsplattform des Kantons Bern nur dann echten Mehrwert schafft, wenn sie alle Leistungserbringer – stationär wie ambulant – einbindet und auf offenen technischen und semantischen Standards beruht. Sie warnte vor einer faktischen Monopol-Lösung, die einzelne Anbieter privilegiert, Beschaffungen verzerrt und die Abhängigkeit von einem System erhöht. Stattdessen forderte sie eine wettbewerbsneutrale, datenschutzkonforme Plattform mit klarer Trennung zwischen Primärsystemen und kantonaler Sekundärinfrastruktur.

Thomas Bähler, Vorstandsmitglied der IG eHealth und Geschäftsführer der x-tention Schweiz, illustrierte anhand von Beispielen aus Mobilfunk, Internet, Finanzindustrie und Luftfahrt, dass verlässlicher Datenaustausch nicht durch ein Einheits-System entsteht, sondern durch verbindliche Standards, definierte Schnittstellen und gemeinsame Protokolle. Übertragen auf das Gesundheitswesen plädierte er für ein föderales, interoperables Ökosystem, das Vielfalt und Innovation zulässt, offene Standards wie FHIR und OpenEHR nutzt und somit den sicheren Austausch zwischen Spitälern und anderen Leistungserbringern ermöglicht.

Dr. med. Marc Oertle zeigte aus Sicht des CMIO und als Leitender Arzt Medizin der Spital STS AG Thun, wie der Datenaustausch heute oft noch mit proprietären Systemen, PDF-Dokumenten und punktuellen Direktverbindungen organisiert ist. Er machte deutlich, dass funktionierende Primärsysteme zwar den klinischen Alltag stützen, aber ohne standardisierte, interoperable Schnittstellen zwischen Spitälern und Praxen keine echte Durchgängigkeit der Patienteninformation entsteht, und unterstrich die Bedeutung pragmatischer, auf Standards wie HL7 FHIR basierender Lösungen für den Alltag der Versorgung.

Die IG eHealth betonte die Wichtigkeit der Einhaltung von Grundsätzen, die sie in ihrem Positionspapier Beschaffung von Klinik- und Praxisinformationssystemen (Primärsysteme der Leistungserbringer) festgelegt hat und am Anlass vorgestellt hatte.

Das Anlass ist bei den Mitgliedern des Grossen Rats auf positive Resonanz gestossen. Mehrfach wurde der Wunsch geäussert, dass die IG eHealth zu weiteren Parlamentariertreffen einlädt, um über die Grundsätze der digitalen Transformation zu informieren.